Bernd Stelter beim Neujahrsempfang der Bonner/Rhein-Sieg-Rundschau und dem Rhein-Sieg-Kreis im Möbelhaus Porto in Bornheim:
Schönen guten Tag, meine Damen und Herren,
als ich im letzten Sommer gefragt wurde, ob ich beim Neujahrsempfang der Rhein-Sieg-Rundschau und der Bonner Rundschau im Hause Porta-Möbel am 8. Januar 2010 eine kurze Rede halten könnte, da habe mich sehr gefreut. Das ist bei mir immer so, solange es noch ein halbes Jahr hin ist bis zur Veranstaltung, dann freue ich mich wie Bolle.
Ganz plötzlich, und völlig überraschend kommt die Adventszeit, dann ist es irgendwann nur noch ein Monat bis zum Neujahrsempfang der Rhein-Sieg-Rundschau und der Bonner Rundschau im Hause Porta-Möbel am 8. Januar 2010, also setze ich mich schon mal an den Schreibtisch, und schaue mir das Thema an. Es lautet: „Die Förderung der mittelständischen Wirtschaft in Bornheim und im Rhein-Sieg-Kreis!“ Ja! Aha, genau! Ich finde auch, da bin ich genau der richtige Referent. „Die Förderung der mittelständischen Wirtschaft in Bornheim und im Rhein-Sieg-Kreis!“
Also lege ich das Einladungsschreiben noch mal kurz zur Seite, aber ich freue mich doch noch immens.
Es war der 29. Dezember, als ich mich endgültig entschloss, nun meine kurze Rede zu schreiben. Ich saß mit einem frisch gebrühten Kaffee vor einem leeren Monitor und dachte noch kurz über das Thema nach: „Die Förderung der mittelständischen Wirtschaft in Bornheim und im Rhein-Sieg-Kreis!“, also mein Sohn kam und sagte: „Papa, wir müssen dringend nach Eitorf, Knaller für Sylvester kaufen.“ Nun, mir blieb als Familienvater, und Fachmann für rheinisches Brauchtum, wozu sicher entfernt auch die Silvesterknallerei gehört, gar nichts anderes übrig, als die Vorbereitung auf diesen Empfang noch ein bisschen nach hinten zu schieben, obwohl mir dabei nicht ganz wohl war, denn ich freute mich zwar schon auf Silvester, aber noch mehr auf den Neujahrsempfang von Rhein-Sieg-Rundschau und Bonner Rundschau im Hause Porta-Möbel am 8. Januar 2010.
Silvester um Mitternacht nimmt man sich ja immer etwas vor, ich nahm mir vor, noch am Neujahrstag meine Rede zu schreiben. Am 1. Januar dieses neuen Jahres gegen 16:30 Uhr, just nachdem sich alle deutschen Skispringer bis auf die Knochen blamiert hatten, dachte ich, das ist der richtige Zeitpunkt.
Wie beginnt man die Vorbereitung auf ein solches Grußwort. Wie beginnt man das Grußwort? Der Anfang, das ist der entscheidende Punkt. Anfang, und vielleicht noch Schluß. Man braucht am Anfang einen klugen Satz. Früher hätte man das Buch mit dem Zitateschatz aus dem Regal genommen, und nachgesehen ob Goethe oder Lessing (Sie kennen Lessing, das ist der zwei gelbe Felder neben der Goethestraße) etwas brauchbares über das neue Jahr gesagt haben. Lessing hat etwas Brauchbares über die Sylvester-Party gesagt, das weiß ich. Lessing sagte: „Zuviel kann man wohl trinken, doch nie trinkt man genug!“
Heute macht man das anders. Heute googlet man. Man gibt den Suchbegriff im Internet ein, ich habe also bei Google eingetippt: „Rhein-Sieg-Kreis“.
Die Suchmaschine macht sofort ein paar Vorschläge, wie man das Thema genauer spezifizieren könnte. Rhein-Sieg-Kreis-Gesundheitsamt, Rhein-Sieg-Kreis-Straßenverkehrsamt, Rhein-Sieg-Kreis-Wunschkennzeichen.
Ja, das würde ich mir wirklich wünschen, ein anderes Kennzeichen. Nicht SU, was muss man sich da alles anhören, „Suche Unfall“, „Sau unterwegs. Also, ein Wunschkennzeichen, ein K, oder ein BN, ein D, lieber nicht, warum nicht einfach BH für Bornheim?
Jetzt kommt das Positive: Das war schon das Negative. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich jetzt klar genug ausgedrückt habe. Also, es ist positiv, dass mir als Negatives eigentlich nur das Autokennzeichen einfällt.
Ansonsten wohnt man hier einfach klasse. Wenn ich meine Jogging-Schuhe geschnürt habe, bin ich in nicht mal fünf Minuten am Rhein, oder ich laufe in Brenig durch den Kottenforst.
Wir wohnen zentral. Ich bin in zehn Minuten in Bonn, in 25 Minuten in der Kölner Innenstadt, gut, nach Düsseldorf ist es eine Stunde, aber was will man da?.
Viertel Stunde bis zum ICE-Bahnhof in Siegburg, halbe Stunde zum Flughafen. Dabei braucht man das alles nicht, weil man am liebsten hierbleibt.
Bornheim ist fast allen anderen Metropolen weit überlegen. Wir haben mehr Sonnenstunden als London, weniger Kriminalität als Neapel und … Bornheim liegt näher am Meer als Moskau.
Und es entwickelt sich. Sämtliche Lebensmitteldiscounter haben sich auf Bornheim-Hersel eingeschossen. Es gibt ein wunderschönes Porta-Möbelhaus, ein Riesenbauhaus mit Heimwerker-Drive-In, ein Bowling-Zentrum, und das ist alles in den letzten Jahren entstanden, sozusagen über die neue Autobahnabfahrt.
Man hört ja, dass man in anderen Kreisen, in anderen Städten schon ganz neidisch auf uns blickt. Wie machen die das bloß, dat die alle nach Bornheim kommen. Die klüngeln doch.
Na ja, liebe Planer von World Conference Centern, auch das muss man können.
Und die Entwicklung geht weiter. Es ist viel in der Planung, noch nicht alles steht fest, aber die Auguren flüstern bereits. Fast sicher ist die Errichtung eines Neun-Loch-Golfplatzes, mit Rasenheizung, überdacht. Der Architekt ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Tiger Woods, der hat ja jetzt Zeit. Auf der Freifläche zwischen Kieswerk und Subway wird ein exklusives Kaufhaus entstehen, entweder ein Harrods oder eine Galerie Lafayette. Die Schüler der Europaschule und des Humboldt-Gymnasiums müssen erst noch die Klassenfahrten in die entsprechenden Städte machen, um das Angebot zu sondieren. Der Hafen an der Herseler Werth wird zu Marina ausgebaut, dafür muss allerdings der Sportplatz am Rheinufer weichen, der durch einen Stadion-Neubau am Gemüseweg ersetzt wird, die Spargel-Weber-Arena.
Ich weiß, das ist ein bisschen übertrieben, aber wenn sie das hinter vorgehaltener Hand in Bonn oder Wesseling erzählen, die glauben das.
Es gibt einen viel wichtigeren Grund, warum es gut ist, hier zu wohnen. Das sind die Menschen hier. Gastfreundliche, offene Menschen, die Spaß am Leben haben, für die Miteinander und Solidarität nicht Worte sind, das wird hier gelebt.
Das ist gut, das tut gut. Ich versuche ein bisschen was davon zurückzugeben, in der Musikschule, im Karneval, in der Bürgerstiftung. Ich wohne jetzt seit 20 Jahren hier, mit meiner Familie, hier fühle ich mich zuhause.
Deswegen bin ich auch immer ein kleines bisschen beleidigt, wenn wieder diese Diskussion aufkommt:
„Wo wohnst Du?“
„In Bornheim.“
Und dann kommt diese unglaublich dumme Frage:
„Welches Bornheim!“
Dann antworte ich in Anlehnung an einen VW-Werbespot:
„Erst wenn der Rhein majestätisch an den Ufern entlang fließt, wenn dein Spargel schmeckt, wie nirgends sonst auf der Welt, wenn du vom Heimatblick auf die Stadt herniederschaust, ein Glas Rebellenblut in der Hand, erst dann ist es das Bornheim!“
Ich wünsche Ihnen hier beim Neujahrsempfang der Rhein-Sieg-Rundschau und der Bonner Rundschau im Hause Porta-Möbel am 8. Januar 2010 nicht nur alles Gute, Gesundheit und viel Erfolg im neuen Jahr, ich wünsche Ihnen auch noch viel Spaß







