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Solidarität in der Flüchtlingshilfe

Vorbildliches ehrenamtliches Engagement als Zugewinn für Bornheim

Opferfest in der Erstaufnahmeeinrichtung: Ehrenamtler und Flüchtlinge tanzen gemeinsam. © Stadt Bornheim
Die Schülerinnen Lea Schmitz (18) (links auf der Bank) und Miriam Fontes (17) geben den Flüchtlingen Deutschunterricht. © Stadt Bornheim
Beigeordneter Markus Schnapka (2. v. r.), Amtsleiter Herbert Meyer (1. v. r.) und Ehrenamtlerin Isabelle Lütz (3. v. l.) mit den Flüchtlingen. © Stadt Bornheim

„Ich bin richtig stolz auf unsere Stadt“, sagt Wolfgang Henseler. Der Bürgermeister der Stadt Bornheim ist sichtlich beeindruckt von der großen Hilfsbereitschaft, die zahlreiche Bürgerinnen und Bürger den Flüchtlingen und Flüchtlingsfamilien entgegenbringen. Insbesondere bei der Erstaufnahme von 154 Menschen, die im August im Zuge eines Amtshilfeersuchens sehr kurzfristig von der Bezirksregierung angeordnet worden war, hätten „alle an einem Strang gezogen und Unglaubliches geschafft“. So wurde mit vereinten Kräften innerhalb weniger Tage eine Turnhalle hergerichtet, um den Flüchtlingen eine vorübergehende und menschenwürdige Bleibe bieten zu können. „Für dieses vorbildliche Engagement bedanke ich mich ausdrücklich bei allen, die so tatkräftig mit angepackt haben“, betont Henseler.

In der im Süden Nordrhein-Westfalens, direkt am Rhein zwischen Bonn und Köln gelegenen und 48 000 Einwohner zählenden Stadt leben derzeit insgesamt 459 Flüchtlinge, von denen sich 242 im Asylverfahren befinden oder über einen Duldungsstatus verfügen. Die Stadt Bornheim verfährt bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen nach einem vom Stadtrat verabschiedeten Konzept, das auf dezentrale und kleine Wohnheime setzt. Das Konzept wiederum basiert auf der „Bornheimer Erklärung“ für Respekt, Akzeptanz und Toleranz, die der Rat am 2. Oktober 2014 im Zusammenwirken mit Kirchen, Wohlfahrtsverbänden, Unternehmen, Gewerkschaften, Schulen, Initiativen und Bornheimer Bürgerinnen und Bürgern beschlossen hat.

Die Bornheimer Stadtverwaltung arbeitet tagtäglich daran, den Aufenthalt und das Lebensumfeld von Flüchtlingen, die im Stadtgebiet untergebracht sind, angemessen zu gestalten. Dies gelingt nicht zuletzt auch dank der bemerkenswerten Hilfs­bereitschaft von Bornheimer Bürgerinnen und Bürgern, die sich durch ihren persönlichen Einsatz oder Sachspenden einbringen. So helfen etwa viele Bürger direkt in der Turnhalle mit; andere haben etwa Kleidung oder Spielsachen gespendet. Die Hilfs­bereitschaft ist so groß, dass der Bedarf mehr als gedeckt und die Lagerkapazitäten der Stadt derzeit erschöpft sind. Das gilt ebenso für die vom Sozialen Arbeitskreis der CDU Frauen Union Bornheim e. V. betriebene Kleiderstube, mit der die Stadt vereinbart hat, dass sie die Flüchtlinge kostenlos mit Kleidung versorgt. „Damit wir den Aufenthalt der vielen hilfesuchenden Menschen so lebenswert wie möglich gestalten können, ist es sehr wichtig, die zahlreichen Hilfs­angebote zu koordinieren“, erklärt Markus Schnapka, Stadtbeigeordneter und Sozial­dezernent. Es sei gelungen, eine Zuständigkeitsstruktur für das Engagement aufzubauen, indem die Ansprechpartner/-innen definiert seien und vermieden werde, dass ehrenamtliche Bereitschaft im Sande verlaufe. Darüber hinaus zeigt sich Schnapka von der Spendendisziplin der Bornheimerinnen und Bornheimer beeindruckt. So wurden nach einem gezielten Aufruf innerhalb weniger Tage alle 154 in der Erstaufnahmestation untergebrachten Personen mit einem Koffer, in dem sie ihr persön­liches Hab und Gut aufbewahren können, und notwendiger Bekleidung ausgestattet. Viele Bürgerinnen und Bürger, die sich aus beruflichen oder gesundheit­lichen Gründen nicht aktiv engagieren können, hatten das Bedürfnis, die Flüchtlinge mit einem finanziellen Beitrag zu unterstützen. Deshalb hat die Stadt Bornheim die Spenden­aktion „Asyl in Bornheim“ ins Leben gerufen. Das gespendete Geld steht der Flüchtlingsarbeit unmittelbar zur Verfügung. Es fließt etwa in zusätzliche Bildungsinitiativen, Ausflüge und Exkursionen, oder trägt dazu bei, dass in Einzelfällen spezielle Hilfen finanziert werden, für die es im städtischen Haushalt keinen Spielraum gibt.

Ehrenamt als unersetzliche Ergänzung

Mit der Unterstützung der Sozialarbeit für Flüchtlinge hat die Stadt Bornheim den Caritasverband Rhein-Sieg e. V. beauftragt. So verstärkt mit Hannah Kaufhold eine Sozialarbeiterin vom Caritasverband das Team der Flüchtlingshilfe im Sozialamt. Und speziell zur Betreuung der Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung hat die Stadt eine zusätzliche Sozialarbeiterin und eine Sozialpädagogin eingestellt. Darüber hinaus kann Bornheim auf eine bemerkenswerte Zahl ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer bauen. Isabelle Lütz gerät geradezu ins Schwärmen, wenn sie berichtet, wie viele Menschen sich an sie wenden, um mitzuhelfen. Denn die 58-Jährige, die selbst ehrenamtlich tätig ist, koordiniert in Bornheim die ehrenamtliche Hilfe für Flüchtlinge. „Ich habe mehr als 300 Helfer auf meiner Liste stehen“, sagt die gelernte Krankenschwester, für die das Ehrenamt eine „unersetzliche Ergänzung“ zu den enormen Anstrengungen sei, die die Stadt rund um die Aufnahme und Betreuung der Flüchtlinge leiste. Auch lobt Lütz die „tolle Atmosphäre“ unter den Helfern, die die Ankunft der Flüchtlinge in der Notunterkunft begleitet hätten. So tauschten sich allein 50 Personen regelmäßig über eine Chatgruppe via Handy aus.

Haupt- und Ehrenamtliche zielgerichtet einsetzen

Motiviert durch die Not vieler Menschen, die in Bornheim Zuflucht suchen, hat sich bereits vor der Ankunft der 154 Flüchtlinge in der Erstaufnahme die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe formiert. Sechs regionale Gruppen decken das gesamte Stadtgebiet ab. Sie wurden meist von den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden initiiert, verstehen sich aber als überkonfessionelle und überkirchliche Hilfsgruppen, die vom ehrenamtlichen Engagement vieler Bornheimer Bürgerinnen und Bürger getragen werden. Die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe hat mittlerweile feste Strukturen geschaffen (für jeden Themenbereich gibt es einen ehrenamtlichen und einen hauptamt­lichen Koordinator) und ist nicht zuletzt auch in die Betreuungsarbeit in der Erstaufnahmeeinrichtung fest eingebunden. Die einzelnen Gruppen sind nicht nur untereinander vernetzt, sondern befinden sich in regelmäßigem Austausch mit den Hilfsorganisationen sowie den hauptamtlichen Mitarbeitern im Sozialamt oder den beteiligten Sozial­arbeitern der Stadt Bornheim. Auf diese Weise entstehen wertvolle Synergieeffekte, die zielgerichtet eingesetzt und genutzt werden können.

Wo Behörden an Grenzen stoßen

Die ehrenamtliche Hilfe setzt da an, wo die Behörden an ihre Grenzen stoßen. Dabei geht es vor allem um die persön­liche Betreuung von Familien und Einzelpersonen. Ihnen wird geholfen, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden und Alltagsprobleme zu bewältigen. Die ehrenamtlichen Helfer begleiten ihre Schützlinge zu Arztbesuchen und bei Behördengängen, stehen gegebenenfalls als Dolmetscher zur Verfügung, unterstützen bei der Kinder­betreuung und helfen bei schulischen Proble­men. Aber auch bei der Beschaffung von Möbeln und Hausrat stehen sie ihnen zur Seite. Einen nicht unwesent­lichen Beitrag leisten Ehrenamtler auch auf dem Gebiet der Sprachförderung. So stehen sie zum Beispiel als Sprachpaten zur Verfügung oder organisieren gar ganze Sprachkurse. „Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer und die Hauptamtlichen arbeiten unkompliziert Hand in Hand und schaffen gemeinsam – trotz widriger Umstände – eine menschliche Aufnahme der Flüchtlinge. So gesehen ist die Solidarität in der Flüchtlingsarbeit ein sozialer Zugewinn für unsere Stadt“, lobt Schnapka das umfangreiche Engagement der Bürgerinnen und Bürger.

Flüchtlinge helfen sich untereinander

„Ohne ehrenamtliche Hilfe würde es nicht gehen. Bei mehr als 450 Menschen, die betreut werden müssen, sind wir darauf angewiesen“, weiß Hannah Kaufhold, die sich hauptamtlich um Flüchtlinge kümmert. Dass es auf beengtem Raum oder zwischen Bewohnern unterschiedlicher ethnischer Herkunft mal zu Problemen komme, lasse sich wohl kaum vermeiden. Umso wichtiger sei die Hilfsbereitschaft der Flüchtlinge untereinander, die in Bornheim ebenfalls bemerkenswerte Formen angenommen habe.

Wenn von ehrenamtlichem Engagement in Sachen Flüchtlinge die Rede ist, dürfen die Schulen nicht unerwähnt bleiben. Denn auch sie engagieren sich in bemerkenswerter Weise. Die Europaschule Bornheim – eine Gesamtschule – hat sich etwa der von der Stadt angelegten Angebotsliste komplett angeschlossen, indem sie von der „Kleiderspende“ über „Deutschhilfe“ bis hin zu „Freizeitangeboten“ nahezu jedes der insgesamt 15 Themen abdeckt. Und gemeinsam mit dem örtlichen Alexander-von-Humboldt-Gymnasium bieten die Schüler den Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung ein tägliches Programm an, das unter dem Motto „Sport, Spiel, Spannung und Sprache“ steht und einen wichtigen Beitrag zur Tagesstruktur der Menschen leistet. Sehr gut angenommen wird etwa auch das Internet-Café, das Schüler im PC-Raum der Schule eingerichtet haben. Dort stehen den Flüchtlingen einmal wöchentlich 60 Computer mit kostenlosem Internet-Zugang zur Verfügung.

Von ehrenamtlichen Helfern getragen, wird schließlich auch die Lebensmittelausgabe der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde – kurz Lebeka. Die Organisation sammelt – wie die sogenannten Tafeln in anderen Städten – Lebensmittelspenden, um sie an bedürftige Menschen weiterzugeben. Pro Woche sind rund 90 ehrenamtliche Helfer unterwegs, um in Lebensmittelgeschäften und bei Landwirten Waren zu sammeln, die wegen kleiner Mängel nicht mehr in den Verkauf gehen. Unter den gut 1000 Personen, die regelmäßig unterstützt werden, sind mittlerweile auch zahlreiche Asylbewerber, die etwa in eigenen Wohnungen leben und für ihre Versorgung – sofern es um Besorgungen und Einkäufe geht – weit­gehend selbst verantwortlich sind.

„Bornheimer Erklärung“ als Grundlage allen Handelns

„Das Ziel aller Bemühungen ist es, alle bei uns Schutz suchenden Menschen willkommen zu heißen, ihnen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen und zu einem selbständigen Leben zu verhelfen sowie sie in das bestehende bürgerliche Umfeld zu integrieren“, betont Beigeordneter Schnapka. Dabei bilde die „Bornheimer Erklärung“ die Grundlage allen Handelns und stelle somit auch den übergeordneten Leitfaden des ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe dar. Dank des Engagements hunderter Bürgerinnen und Bürger könnten die Arbeiten auf viele Schultern verteilt und gemeinsam die Herausforderungen gemeistert werden. Allerdings nur dann, wenn auch genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stünden.

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