Neue Stolpersteine in Hersel und Bornheim

Sechs neue Stolpersteine verlegte der Kölner Künstler Gunter Demnig heute in Hersel und Bornheim-Ort, um an jüdische Bürger zu erinnern, die durch das nationalsozialistische Regime ermordet worden sind.

In Hersel verlegt Gunter Demnig einen Stolperstein für Hermann Schmitz.

Zur Verlegung kamen neben Bürgermeister Wolfgang Henseler auch der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß, weitere Vertreter der Stadt sowie viele Bürgerinnen und Bürger. Die Stadt Bornheim beteiligt sich seit vielen Jahren an der Aktion: Insgesamt gibt es nun 55 Stolpersteine im Stadtgebiet.

Der stellvertretende Bürgermeister Frank W. Krüger, Enkelin des Opfers Susana Klick, Landtagsabgeordneter Oliver Krauß, Bürgermeister Wolfgang Henseler (v. li.)

Den ersten der neuen Steine verlegte Gunter Demnig in der Herseler Rheinstraße 245. Er gilt Hermann Schmitz, dem Vater von Eva Salomon, der 1936 zu der Familie seiner Tochter nach Hersel gezogen war. 1942 musste er nach Köln in ein sogenanntes Judenhaus umziehen. Von dort wurde Hermann Schmitz zunächst nach Theresienstadt deportiert und schließlich nach Treblinka, wo er ermordet wurde. Für Eva, ihren Ehemann Jakob Salomon und ihren Sohn Emil waren an dieser Stelle bereits 2010 drei Stolpersteine angebracht worden. Im Anschluss an die Verlegung wurden auch die Urkunden an die Paten der Stolpersteine überreicht.

Die Stolpersteine in der Rheinstraße 245 in Hersel

Patin des Steins von Hermann Schmitz ist seine eigene Enkeltochter Carolina Spies, die in Niederzissen lebt und aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte. Dafür war Schmitz´ andere Enkeltochter Susana Klick aus Rheinbach gekommen, die in sehr bewegenden Worten erklärte, dass sie ihren Großvater nie kennengelernt habe und dass ihr die Verlegung sehr viel bedeute.

Bürgermeister Henseler betonte in seiner Ansprache: „Auch mir und ganz vielen Menschen in unserer Stadt ist es eine Herzensangelegenheit, die Erinnerung an unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger wachzuhalten. Das gilt umso mehr in Zeiten, in denen unsere Erinnerungskultur immer wieder von Rechtspopulisten angegriffen wird.“

Enkelin Susana Klick und Künstler Gunter Demnig mit Bürgermeister Wolfgang Henseler

Jugendliche vom Kulturraum Sechtem unter der Leitung von Mareike Osenau führten im Anschluss eine kurze Performance zum Leben der Opfer auf und spannten dabei den Bogen zu Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit, die uns heute begegnen.

Den Text der Performance finden Sie hier

Musikalisch abgerundet wurde die Verlegung in Hersel durch Klezmer-Musik von Musiker und Musikpädagoge Udo Seehausen aus Alfter, der mit seinen Schülern die Lieder „Ani Ole L'i'rushalaym“, „Shabes Nign“ und „Mir Saynen Ale Brider“ spielte.

Gunter Demnig verlegt fünf neue Steine im Bornheimer Ortszentrum.

Im Anschluss wurden fünf weitere Stolpersteine zur Erinnerung an die Bewohner des Hauses Königstraße 121 im Bornheimer Ortszentrum verlegt. Hier lebten Joseph und Sibilla Schmitz zusammen mit ihrem kleinen Sohn Sally. Sibillas Vater Bernhard Nathan sowie dessen Schwester Johanna wohnten zuletzt ebenfalls an dieser Adresse. Alle fünf wurden deportiert und ermordet.

Auch dieser Verlegung gaben der Kulturraum Sechtem und die Musiker um Udo Seehausen durch ihre Aufführungen einen würdigen Rahmen. Bürgermeister Wolfgang Henseler und Stadtarchivar Jens Löffler, der die Lebensdaten der Opfer recherchiert und die Verlegung organisiert hatte, dankten dem Künstler Gunter Demnig und allen Beteiligten herzlich für ihr Wirken.

Udo Seehausen (re.) und seine Schüler sorgten für musikalische Untermalung.

Bei den von Gunter Demnig gestalteten Stolpersteinen handelt es sich um Messingschilder mit den Namen und Schicksalsdaten der Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes geworden sind. Diese Messingschilder werden vor den ehemaligen Wohnorten der Opfer in die Bürgersteige eingelassen, wo sie die Erinnerung wachhalten.

In Bornheim hatten die Nazis im Jahr 1941 mit der Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger begonnen. So starben etwa 70 Bornheimerinnen und Bornheimer in Vernichtungslagern. Zwischen 2006 und 2014 wurden insgesamt 49 Stolpersteine in den Ortschaften Roisdorf, Bornheim, Walberberg, Hersel, Widdig, Merten, Sechtem und Waldorf angebracht. Jeder, der diese kleinen Denkmale betrachtet und ihre Inschriften liest, muss nach unten sehen und verneigt sich so unweigerlich vor den Opfern.

Die fünf neuen Stolpersteine in der Königstraße 121 in Bornheim