Bahnhof Roisdorf: „Jede Einschränkung des Regionalbahnverkehrs ist absurd“

Wolfgang Henseler und Oliver Krauß fordern bedarfsorientierten Regionalverkehr

Trassenkonflikte: Konnten die zahlreichen Pendler am Bahnhof Roisdorf zunächst aufatmen, sehen sie sich aktuell erneut mit drohenden Einschränkungen des Regionalbahn-Angebots konfrontiert. Grund sind wieder einmal geplante Überholungen durch neue Fernverkehrszüge.

Pendler könnten beim Trassenkonflikt das Nachsehen haben: Halteausfälle der Mittelrheinbahn in Roisdorf drohen

Pendler könnten beim Trassenkonflikt das Nachsehen haben: Halteausfälle der Mittelrheinbahn in Roisdorf drohen

Gerade erst hatte die Verbandsversammlung des Zweckverbands der Nahverkehr Rheinland (NVR) Halteausfälle der Regionalbahn RB 48 am Roisdorfer Bahnhof deutlich zurückgewiesen, schon rücken neue Beeinträchtigungsszenarien in den Fokus. Dieses Mal geht es um den Halt der Mittelrheinbahn RB 26 in Roisdorf, die zwischen Köln und Mainz verkehrt. Zum Jahresfahrplan 2020, der am 15. Dezember 2019 beginnt, will das Eisenbahnverkehrsunternehmen „Flixtrain“ sein Fernverkehrsangebot zwischen Frankfurt (Main) und Köln entlang der linken Rheinstrecke über Koblenz und Bonn ausbauen. Die dazu angemeldeten Fernverkehrszüge geraten in drei Zeitlagen in einen Trassenkonflikt mit der Regionalbahnlinie 26: um 10:30 Uhr, 14:30 Uhr und 18:30 Uhr. Diese Trassenkonflikte sollen nach Planung der DB Netz AG durch (RB 26-)Halteausfälle an den DB-Bahnhöfen in Roisdorf und Hürth-Kalscheuren gelöst werden.

Bornheims Bürgermeister Wolfgang Henseler und der Landtagsabgeordnete Oliver Krauß treten einer Angebotsschmälerung im Regionalverkehr weiter ausdrücklich entgegen: „Die Bahnstrecke zwischen Köln und Bonn ist die nachfragestärkste Regionalbahnverbindung im gesamten Gebiet des Verkehrsverbundes. Die Nachfrage steigt ständig. Daher treten wir entschieden für einen Ausbau der Infrastruktur und für zusätzliche Züge ein. Umso widersinniger ist es, wenn wir nun zum wiederholten Male darum kämpfen müssen, dass wenigstens das aktuell schon unzureichende Angebot erhalten bleibt.“

An diesem Freitag, 7. Juni 2019, erreicht eine Mitteilung des NVR-Zweckverbandes die Sitzung des NVR-Hauptausschusses: „Trassenkonflikt zwischen RB 26 (MRB) und Flixtrain (Hamburg-Köln-Express)“. Demnach plant die DB Netz AG in den drei (Tages-)/Zeitfenstern, dass die Mittelrheinbahn den Zügen von „Flixtrain“ das künftige Überholen betrieblich in Bonn-Bad Godesberg einräumen muss. Die dort wartenden Züge der RB 26 sollen den durch den Überholvorgang entstehenden Zeitverlust nachfolgend ausgleichen, indem sie die DB-Stationen in Roisdorf und Hürth-Kalscheuren „durchfahren“, ohne Halt.

Sofern diesem "Lösungsvorschlag“ mit dem Entfallen der Halte in Roisdorf und Kalscheuren nicht gefolgt wird, unterrichtet die Mitteilung des NVR-Zweckverbandes über eine konsequente Bewertung des sich abzeichnenden Trassenkonfliktes: Dann würden gemäß der Bestimmung des Eisenbahnregulierungsgesetzes – bei gleichmäßiger Bewertung von Vertaktung und Netzgebundenheit – „die Regelentgelte (Trassenerlöse) beider Verkehre gegenübergestellt und der Verkehr mit dem höheren Regelentgelt erhält den Zuschlag“. In diesem Fall werde die RB 26 kein Trassenangebot erhalten. Insofern wird der „Lösungsvorschlag“ als „alternativlos“ gekennzeichnet.

„Durch die geltende Rechtslage wird sogar ein bereits bestehendes Angebot im Regionalverkehr einem neu eingerichteten Fernverkehrsangebot gegenüber benachteiligt. Jahrelang etablierte Bahnangebote genießen keinen Bestandsschutz, sondern werden einfach verdrängt“, kritisieren Oliver Krauß und Wolfgang Henseler. Im vorliegenden Fall müsse neben den Fahrgastzahlen vor allem die Tatsache Berücksichtigung finden, dass die bestehende Eisenbahninfrastruktur überhaupt keine zusätzlichen Züge mehr zulässt. Die linke Rheinstrecke ist dementsprchend als „überlastet“ eingestuft.

In der Folge könnten weitere Fernverkehrszüge das Angebot im Regionalverkehr noch weiter einschränken. „Dies widerspricht sämtlichen Anstrengungen, angesichts des Klimawandels für eine Verkehrswende zu kämpfen“, so die beiden Politiker. So sei Bonn zur Modellregion „Lead City“ ernannt worden: Durch erhebliche Investitionen in den Öffentlichen Personennahverkehr in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis sollen mehr Menschen zum Umstieg bewegt werden, um so die Schadstoffbelastungen in der Stadt zu reduzieren. Eine Angebotsreduzierung steht dazu im Widerspruch. Stattdessen fordern Henseler und Krauß weiterhin eine Stärkung des Regionalverkehrs: „Wir reden beim Bahnhof Roisdorf über einen Pendler-Bahnhof einer wachsenden Stadt, dessen Angebot bei bedarfsgerechter Betrachtung im Regionalverkehr ausgebaut werden muss. Die Tatsache, dass Rechtsgrundlagen nun zu einem schlechteren Angebot führen, ist absurd.“

Oliver Krauß, der auch Mitglied des Verkehrsausschusses des nordrhein-westfälischen Landtags ist, hat diesbezüglich akut Gesprächsbedarf im Rahmen der Landtagssprechstunde mit dem Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn AG für das Land Nordrhein-Westfalen angemeldet.