Wohnung vermieten und Gutes tun

Stadt unterstützt Kampagne der Flüchtlingshilfevereine

Etwa ein Viertel der Menschen, die in Bornheim Zuflucht gefunden haben, leben immer noch in Wohncontainern, engen Übergangswohnheimen oder zu kleinen Wohnungen – viele von ihnen bereits seit über zwei Jahren. Daher haben die Vereine Flüchtlingswohnraum und Flüchtlingshilfe Bornheim in Zusammenarbeit mit der Stadt nun eine Kampagne ins Leben gerufen. Mit Flyern machen sie auf ihr Angebot aufmerksam, Wohnungen an Geflüchtete zu vermitteln.

Präsentieren die Kampagne (v.r.): Bürgermeister Wolfgang Henseler, Isabelle Lütz vom Verein Flüchtlingshilfe Bornheim, Beigeordnete Alice von Bülow, Flüchtlingssozialarbeiter Joachim Jung und Gerhard Thusek vom Verein Flüchtlingswohnraum Bornheim

Präsentieren die Kampagne (v.r.): Bürgermeister Wolfgang Henseler, Isabelle Lütz vom Verein Flüchtlingshilfe Bornheim, Beigeordnete Alice von Bülow, Flüchtlingssozialarbeiter Joachim Jung und Gerhard Thusek vom Verein Flüchtlingswohnraum Bornheim

Zurzeit leben in Bornheim rund 800 Geflüchtete. Die Stadt Bornheim und zahlreiche Ehrenamtliche arbeiten seit Jahren mit vereinten Kräften daran, diese Menschen bestmöglich unterzubringen: Rund 600 Geflüchtete leben bereits in privaten Wohnungen und Wohnhäusern. Für die rund 200 Menschen, die noch keine private Wohnung gefunden haben, suchen die Stadt Bornheim mit ihrem Sozialarbeiter-Team und die beiden Vereine Flüchtlingswohnraum und Flüchtlingshilfe Bornheim Eigentümer, die eine Wohnung vermieten und Gutes tun wollen.

"Die Wohnraumbesorgung ist neben dem Spracherwerb und der Arbeitsvermittlung eines der wichtigsten Themen, damit Integration gelingen kann", betont Bürgermeister Wolfgang Henseler. "Mit der Kampagne wollen wir möglichst viele Menschen erreichen, die uns dabei helfen."

Denn den 200 Menschen mangelt es in den beengten Unterkünften mit gemeinschaftlichen Küchen und Sanitäranlagen an Privatsphäre. Aufgrund der permanenten Unruhe in den gemeinsamen Räumen ist es schwer, den Arbeits- oder Schulalltag zu bewältigen. Daneben fehlt natürlich der Anschluss an die Bornheimer Bevölkerung, sodass die Geflüchteten unfreiwillig unter sich bleiben. Das wiederum führt dazu, dass sie in der Freizeit kaum Deutsch üben und die Chancen auf eine erfolgreiche Integration sinken.

"Durch die 600 Geflüchteten, die bereits gut untergebracht sind, sehen wir in der Praxis, wie viel leichter Integration gelingt, wenn das Thema Wohnen besser gelöst ist", sagt Gerhard Thusek vom Verein Flüchtlingswohnraum Bornheim. Vermieter hätten jedoch oft Berührungsängste gegenüber den Geflüchteten. Auch wüssten sie nicht, wer die Miete und die Nebenkosten für Strom, Wasser und Heizung bezahlt. Hinzu kommt die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt.

"Vermieter erhalten sehr viele Bewerbungen. Daher werden geflüchtete Menschen bei der Neuvermietung häufig nicht berücksichtigt. Es ist für sie also schwerer als für andere, eine Wohnung zu finden", erklärt Isabelle Lütz vom Verein Flüchtlingshilfe Bornheim. Genau hier setzt die Kampagne "Wohnraum 2019 – Wohnung vermieten und Gutes tun" an. Mit einem Flyer machen Stadt, Flüchtlingshilfe Bornheim und Flüchtlingswohnraum Bornheim mit konkreten Beispielen auf ihr Angebot aufmerksam, Wohnungen an geeignete Personen zu vermitteln.

"Wir, das Bornheimer Sozialarbeiter-Team und die ehrenamtlichen Helfer betreuen und begleiten die Geflüchteten ab ihrer Ankunft in Bornheim. Wir vermitteln den ersten Kontakt zum Vermieter, sind beim unverbindlichen Kennenlernen dabei und helfen die Finanzierung abzuwickeln", erklärt Sozialarbeiter Joachim Jung. "Nicht zuletzt unterstützen wir die Menschen bei allen anderen notwendigen Behördengängen."

Bisher hat das Team 350 Menschen – 65 Familien und 30 Alleinreisende – beim Abschluss des Mietvertrags, der notwendigen Haftpflichtversicherung und der Verträge mit den Energieversorgern unterstützt und ihnen bei Renovierung, Möblierung und Umzug geholfen. Darunter ist auch die Familie Msheer, die bereits eine perfekte Wohnung in Roisdorf gefunden hat. Dort leben Shoxan und Mohammad nun mit ihren beiden Töchtern Mansa und Baxan zur Miete. Ihr neues Zuhause ist geräumig und sehr gut angebunden.

Glücklich in ihrer neuen Wohnung: Die Familie Msheer aus Roisdorf

Glücklich in ihrer neuen Wohnung: Die Familie Msheer aus Roisdorf

Einen ähnlichen Erfolg erhoffen sich die Geschwister Farah und Aola Hassoun. Sie müssen aus ihrer Wohnung in der Mertener Brahmsstraße ausziehen, in der sie gemeinsam mit ihrer Mutter Touraia Ali Khan leben. Die Unterkunft wird aber nun aufgelöst. „Eine neue Wohnung zu finden bedeutet für uns Sicherheit und Stabilität – und dass wir unsere Ziele anpacken und uns richtig integrieren können“, sagt Farah Hassoun.

Ebenfalls dringend eine neue Wohnung sucht die Familie Jami aus Walberberg, da ihre bisherige deutlich zu klein ist. Mutter Jennifer lebt zurzeit zusammen mit ihren vier Kindern Emanuella, Eve lvie, Vanessa und Kevin in einer beengten Zwei-Zimmer-Wohnung. "Ich wünsche meiner Familie ein echtes Zuhause, um in Frieden leben zu können“, sagt Mutter Jennifer Jami.

Ein weiterer potentieller Mieter ist Mohammad Taghi Haidari aus Hersel. Er musste in den letzten drei Jahren bereits viermal umziehen. Zurzeit lebt er beengt mit einem Zimmernachbarn zusammen in einem Übergangscontainer. Trotz der Strapazen steht er kurz vor seinem Realschulabschluss. Auch ein Praktikum hat er bereits absolviert. „Eine eigene Wohnung zu finden bedeutet für mich, endlich angekommen zu sein, damit ich meinen Traum – eine Ausbildung zum Verkäufer – verwirklichen kann“, sagt Haidari.

Bei ihrer Suche stehen ihnen die Sozialarbeiter der Stadt Bornheim und die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer zur Seite. Sie sind der ideale Ansprechpartner für alle, die eine Wohnung vermieten und etwas Gutes tun möchten. "Wir sind sehr erfahren in der Begleitung der Geflüchteten in ihre erste Wohnung und stehen jedem zur Seite, um einen passenden Mieter zu finden. Gerne ebnen wir den Weg, damit es zu einer guten, langfristigen Mietpartnerschaft kommt", sagt Thusek.

Wer eine Wohnung vermieten und Gutes tun will, meldet sich bei Gerhard Thusek vom Verein Flüchtlingswohnraum Bornheim, Mobil: 0163 5285979, E-Mail: gerhard(at)thusek.de, oder bei Joachim Jung vom Bornheimer Sozialarbeiter-Team, Mobil: 0152 22845418, E-Mail: joachim.jung(at)caritas-rheinsieg.de.

Die Flyer liegen in allen Kirchengemeinden und in der Bürgerhalle im Bornheimer Rathaus aus.