Um sich ein Bild von der Lage zu machen, aber auch um ganz unmittelbar zu sehen, mit welchen Maßnahmen der Hochwasserschutz verbessert werden kann, haben Bürgermeister Christoph Becker, die zuständigen Ämter und Abteilungen der Stadtverwaltung und der Stadtbetrieb in den Tagen und Wochen nach der Unwetterkatstrophe in unterschiedlicher Zusammensetzung Ortsbegehungen durchgeführt. Mit dabei waren die Ortsvorsteher, Anwohnerinnen und Anwohner und teilweise auch externe Fachleute. Als Beispiele für Maßnahmen, die im Zuge der Ortsbegehungen geprüft bzw. festgesetzt wurden, sind etwa verstärkte Kontrollen und die Erhöhung der Reinigungsintervalle von Bachdurchlässen zu nennen. Außerdem wird geprüft, ob der Bau zusätzlicher Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Ortschaften hilfreich sein könnte. Auch wird geprüft, ob die Umleitung bzw. Rückhaltung von Oberflächenwasser aus Außengebieten (also Wasser, das von außerhalb in die Ortschaften fließt, wie etwa in der Ulrichstraße geschehen) geeignet sind, die Gefahr von Hochwasser zu reduzieren oder gar Schäden zu vermeiden. Und infolge einer Begehung des Rheinuferweges wird geprüft, ob vor dem Hintergrund der ohnehin vorgesehenen Sanierung der Rheinböschung wild abfließendes Oberflächenwasser zurückgehalten oder kanalisiert werden kann.
In der Folge des 14. Juli hat die Stadt Bornheim eine Taskforce „Hochwasservorsorge“ gebildet. Dabei handelt es sich um eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe, die am 12. August 2021 erstmals getagt hat. Darüber hinaus wurde ein Arbeitskreis mit Vertretern aus Politik und Verwaltung gebildet, der sich ebenfalls mit dem Thema „Hochwasservorsorge“ beschäftigt hat. Dessen Aufgaben sind mittlerweile auf den Ausschuss für Umwelt, Klima, Landwirtschaft, Wald und Natur übergegangen. Schließlich haben die Stadtverwaltung und der Stadtbetrieb Bornheim eine gemeinsame Arbeitsgruppe „Hochwasser-/Starkregenvorsorge“ gebildet. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich systematisch mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen des Hochwasserschutzes und der –vorsorge.
Die vorhandene Infrastruktur, die dem Schutz unserer Ortschaften vor Überflutungen dient, hat offensichtlich für ein Ereignis dieser Größenordnung an einigen Stellen nicht ausgereicht. Die Stadtverwaltung Bornheim hat zunächst alle schweren Schäden im Stadtgebiet erfasst und versucht anhand dessen, möglichst präzise den genauen Verlauf der Unwetterkatastrophe bzw. des Wassers zu analysieren. In der Folge geht es darum, Möglichkeiten zur Verbesserung der Schutzwirkung auszuloten und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Das gilt zum Beispiel auch für die kritische Betrachtung von Bauplanungen in unserem Stadtgebiet. Die Frage, welche Auswirkungen eine weitere Bebauung und Versiegelung von Fläche haben, muss vor dem Hintergrund des jüngsten Ereignisses noch stärker in den Blick genommen werden. Dies gilt sowohl zum Schutz der bereits dort lebenden Menschen, als auch zum Schutz derer, die dort zukünftig wohnen möchten.
Neu zu beplanende Flächen werden angesichts der durch den Klimawandel zunehmend verursachten extremen Wetterereignisse noch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten sein. Natürlich tragen immer auch Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine gewisse Eigenverantwortung, indem sie eigeninitiativ Maßnahmen zum Hochwasser- und Überflutungsschutz ergreifen. Dennoch: Selbst mit dem Instrumentarium der individuellen und öffentlichen Maßnahmen wird es nicht gelingen, alle extremen Wetterereignisse vollkommen in den Griff zu bekommen. Aber es gilt, gemeinsam alles zu tun, um mögliche Auswirkungen und Schäden so weit wie möglich zu verringern.
Im Sinne des Hochwasserschutzes ist die Stadt nicht zuletzt auch auf interkommunaler Ebene vernetzt. Dies geschieht in erster Linie auf der Ebene der Wasserverbände. Der Dickopsbachverband verbindet etwa die Städte Wesseling, Brühl und Bornheim. Und was den Bornheimer Bach betrifft, arbeiten Bornheim und Alfter im Wasserverband südliches Vorgebirge zusammen. Außerdem haben sich im Abwassernetz Rheinland Abwasserwerke zwischen Bonn und Solingen zusammengetan, um sich über Vorsorgemaßnahmen im Entwässerungsnetz auszutauschen.