Überflutungsereignis 2021

Tief „Bernd“ und dessen Folgen hat am 14. Juli 2021 vor allem die Südhälfte Nordrhein-Westfalens und den Westen von Rheinland-Pfalz schwer getroffen und in Atem gehalten. Langanhaltende und starke Regenfälle hatten dazu geführt, dass Bäche und Flüsse über die Ufer getreten sind. In der Folge kam es zu Überflutungen, massivem Hochwasser oder gar – wie etwa im Ahrtal – zu sturzflutähnlichen Szenarien. Nach der „Koordinierten Starkniederschlags-Regionalisierungs-Auswertung“ (KOSTRA) und der Integration der Daten von „praxisrelevanten Extremwerten des Niederschlags“ (PEN) der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) ist errechnet worden, dass ein Starkregenereignis wie das am 14. Juli rein statistisch weit seltener als alle 1000 Jahre auftritt. Das letzte größere Starkregenereignis in Bornheim, das die Werte eines 100-jährlichen Ereignisses überschritt, war 2008. 

Ausmaß – Regenmengen im Vergleich zu anderen Ereignissen

Ausmaß – Regenmengen im Vergleich zu anderen Ereignissen

In Bornheim waren es im Juli 2021 etwa 130 Liter pro Quadratmeter in 15 Stunden. Beim Starkregen in Bornheim vom 26. Juli 2008 fielen 66,2 Liter pro Quadratmeter in 60 Minuten. Das entspricht einer Wiederholungsrate von etwa 143 Jahren. Zum Vergleich: Am Abend des 28. Juli 2014 wurden in Münster (Westfalen) 292 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von sieben Stunden gemessen. Das war eine der höchsten in Deutschland je gemessenen Regenmengen.

Einsatz der Rettungskräfte am 14. & 15. Juli

Einsatz der Rettungskräfte am 14. & 15. Juli

Nachdem die Bornheimer Feuerwehr am frühen Nachmittag des 14. Juli 2021 im Feuerwehrgerätehaus in Roisdorf die Abschnittsführungsstelle der Feuerwehr eingerichtet hatte, berief die Stadt Bornheim um 15.02 Uhr den Stab für außergewöhnliche Ereignisse ein. Dieser stellte gegen 18 Uhr den Katastrophenfall für Bornheim fest und übermittelte dies dem Rhein-Sieg Kreis. Gegen 19:30 Uhr wurde an die Leitstelle die Bitte einer NINA-WarnApp-Meldung übersandt, sodass die Meldung entsprechend veröffentlicht wurde.

So mussten am Tag des Starkregens in Merten-Heide zehn Anwohnerinnen und Anwohner aus ihren Häusern evakuiert werden, konnten aber bereits am nächsten Tag wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. In Walberberg konnten hingegen 50 Haushalte nicht evakuiert werden, weil die Wasserflächen infolge eines brennenden Stromverteilers unter Starkstrom standen und eine Abschaltung durch den Stromversorger in der Nacht nicht möglich war. Die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner hatten allerdings die oberen Geschosse aufgesucht und sich so in Sicherheit gebracht. Fließgewässer wie etwa der Rheindorfer Bach schwollen zu einem reißenden Fluss an und setzten große Flächen, aber auch Gebäude unter Wasser.

In Bornheim, Brenig, Kardorf, Merten, Sechtem, Walberberg und Rösberg waren umfangreiche Pump- und Sicherungsmaßnahmen erforderlich. Und der Rheinuferhang (Hochufer) und die Rheinuferstraße mussten aufgrund der generellen Standsicherheitsproblematik in Verbindung mit der vollständigen Durchweichung für jeglichen Kraftfahrzeugverkehr gesperrt werden.

Am 15. Juli löste die Feuerwehr die Abschnittsführungsstelle auf. Insgesamt hatte sie in der Spitze 120 Funktionen gleichzeitig zu besetzen, war mit 200 FF-Kräften durchgehend im Einsatz und hatte in rund 30 Stunden gut 300 Einsätze (insgesamt etwa 380) abgearbeitet. Zusätzlich waren zwei Pumplastzüge durchgängig aktiv, um die Kräfte der Feuerwehr zu entlasten. In Sechtem mussten etwa Pferde aus überschwemmten Ställen durch Abpumpen der Wassermassen gerettet werden. Die Einsatzschwerpunkte waren Walberberg, Merten-Heide und Bornheim-Ort.

Aufgrund der Informationen über die dramatische Lage insbesondere in den linksrheinischen Kommunen Swisttal und Rheinbach hatte die Bornheimer Feuerwehr entschieden, keine überörtliche Hilfe anzufordern. Lediglich die Unterstützung durch das THW Bornheim wurde angefordert und dankbar in Anspruch genommen. Aber auch die Rettungsdienste und die Polizei waren an diesem Tag und Abend unermüdlich im Einsatz. Und mithilfe von örtlichen Unternehmen wurden Gefahrenstellen abgesichert, erste Schäden behoben und große Wassermengen beseitigt.

 

Entstandene Schäden

Entstandene Schäden

Die Wassermassen haben etwa in Stolberg, Bad Münstereifel, Erftstadt, Rheinbach oder Swisttal und vor allem im Ahrtal eine Schneise der Zerstörung hinterlassen und zahlreiche Todesopfer gefordert. Im Vergleich dazu ist Bornheim glücklicherweise verhältnismäßig glimpflich davongekommen. Vor allem mussten keine Toten oder Schwerverletzte beklagt werden. Dennoch waren die Schäden zum Teil immens. Menschen, deren Keller oder Erdgeschosse vollgelaufen waren, haben neben den Schäden am Gebäude selbst große Teile ihres Inventars verloren. Allein an der städtischen Infrastruktur (Straßen, Gebäude und Gewässerschutz) ist ein Schaden in Höhe von etwa 1,7 Millionen Euro entstanden. Die Schadensbilder reichten von unterspülten Straßen über weggespülten Asphalt bis hin zu Hangrutschen.

Am 15. und 16. Juli hat sich Bürgermeister Christoph Becker mit Unterstützung der Ortsvorsteher in allen betroffenen Ortschaften einen Eindruck von der Lage und den schwer betroffenen Bereichen gemacht. Das gesamte Stadtgebiet mit Schwerpunkt der Ortschaften am Vorgebirgshang, sowohl in den Hanglagen vor allem aber im Umfeld der dortigen Bäche, waren von massiven Überflutungen betroffen. Ebenso waren Einzelgehöfte in Außenbereichen in Gefahr. Überflutungen und Schlammmassen hatten mehrere Straßen in diesen Bereichen unpassierbar gemacht. Auch wurde festgestellt, dass zudem aufschwimmende Öltanks erhebliche Schäden angerichtet hatten.

Erhebliche Schäden wurden auch durch wild abfließendes Oberflächenwasser verursacht, das – wie etwa in Walberberg – aus dem Wald kam, die Hänge herunterfloss und ganze Grundstücke überflutete. Einer der großflächigsten Schäden ist am Berggeistsee entstanden. An der Ecke „Klüttenweg“ hat ein Erdrutsch den bei Radfahrern, Joggern und Spaziergängern beliebten Waldweg komplett zerstört. In Merten-Heide kam das Wasser über die Felder, lief von hinten in die Häuser und richtete ebenfalls großen Schaden an. Neben dem Wasser waren es vor allem die Schlammmassen, die von den landwirtschaftlichen Flächen gewaschen wurden und in den Ortslagen ganze Straßenzüge und etliche Häuser verschlammt haben.

Zusammenhalt in der Krise

Zusammenhalt in der Krise

Infolge des Unwetters hatte die Stadt Bornheim ihre gesamten Sandsackreserven aufgebraucht. Da für das darauffolgende Wochenende erneut Regenfälle vorhergesagt worden waren, galt es die eigenen Reserven so schnell wie möglich wieder aufzufüllen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Sandsäcke waren nach der Unwetterkatastrophe allerdings knapp geworden. Der Stadtbetrieb Bornheim wandte sich daraufhin an die Partnerstadt Mittweida. Deren Oberbürgermeister Ralf Schreiber wurde sofort tätig und trieb aus dem gesamten Kreisgebiet am Ende 51.000 Säcke auf. Nur drei Tage nach dem Unwetter trafen zwei Kameraden aus Mittweida in Bornheim ein, um die Sandsäcke zu übergeben. Außerdem hat Mittweida Spendengelder in Höhe von 10.000 Euro für Bornheim gesammelt. Bornheim bedankt sich für diese bemerkenswerte Unterstützung.

Bemerkenswert war auch, wie groß die Hilfsbereitschaft und Solidarität der Menschen untereinander war. Betroffene, Freunde und Nachbarn haben zusammengestanden und gemeinsam angepackt. Oft waren es auch bis dahin unbekannte Menschen, die plötzlich da waren und geholfen haben. Gleiches gilt auch für die Kommunen, die sich in dieser außergewöhnlichen Krisensituation gegenseitig unterstützt haben. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Rhein-Sieg Kreises standen untereinander und auch mit dem Kreis in engem Kontakt. Auch haben zwei Kolleginnen der Bornheimer Stadtverwaltung haben in der akuten Phase drei Wochen in Swisttal unterstützt.

Maßnahmen kurz nach der Katastrophe

Maßnahmen kurz nach der Katastrophe

In den ersten Tagen nach dem Unwetter ging es zunächst darum, die betroffenen Häuser, Wohnungen und Straßen wieder bewohnbar zu machen, die Versorgung mit Gas, Wasser und Strom wiederherzustellen, das Wasser abzupumpen, den Schlamm zu entfernen und den Sperrmüll abzutransportieren.

An den Tagen nach dem 14. Juli standen vor allem Schadensbegutachtungen und Aufräumarbeiten im Vordergrund. Dabei waren auch das Abwasserwerk und der Baubetriebshof des Stadtbetriebs Bornheim mit Arbeitskräften und Maschinen im Einsatz. Das Abwasserwerk prüfte vor Ort die Funktionsfähigkeit der Abwasseranlagen und hat sie - sofern möglich - umgehend instandgesetzt bzw. Umleitungsmöglichkeiten geschaffen. Darüber hinaus hat der Stadtbetrieb für den Hochwasserschutz der Abwasseranlagen in den Rheinorten gesorgt.

Die Stadt Bornheim hat in diesen Tagen insbesondere mit struktureller und organisatorischer Hilfe wie etwa der Bereitstellung von Schuttcontainern unterstützt. In Absprache mit der RSAG wurde zudem die Sperrmüllentsorgung sichergestellt. In den betroffenen Straßen wurde zudem die rasche Reinigung der Kanalisation und Sinkkästen vorangetrieben. Denn durch die Schlammmassen war teilweise der Ablauf behindert. Außerdem wurden die Sinkkästen überprüft und im Bedarfsfall gereinigt.

Um an diesen nicht einfachen Tagen für die Bürgerinnen und Bürgern zuverlässig erreichbar zu sein und im Rahmen der Möglichkeiten helfen zu können, hatte die Stadt Bornheim bereits am Folgetag eine Unwetter-Hotline eingerichtet. Bürgerinnen und Bürger hatten die Möglichkeit, Schäden auf Straßen, Wegen und Plätzen zu melden. Aber auch wer selbst dringend Hilfe benötigte, war aufgerufen, sich über die Hotline an die Stadtverwaltung zu wenden.

Darüber hinaus hat die Stadt Bornheim ein Spendenkonto eingerichtet, um Bornheimerinnen und Bornheimer, die von diesem ungewöhnlich heftigen Starkregenereignis betroffen sind, finanziell unterstützen zu können. Insgesamt sind 72 Anträge bei der Stadt eingegangen. An sie wurden die Spendengelder in Höhe von 33.750 Euro als Soforthilfe ausgezahlt. Zudem hatten in Bornheim 147 Privathaushalte und 28 Unternehmen einen Antrag auf Soforthilfen des Landes NRW gestellt. Davon sind 172 Anträge bewilligt und insgesamt 435.000 Euro ausgezahlt worden.

Erkenntnisse aus der Katastrophe & Langfristige Maßnahmen

Erkenntnisse aus der Katastrophe & Langfristige Maßnahmen

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, aber auch um ganz unmittelbar zu sehen, mit welchen Maßnahmen der Hochwasserschutz verbessert werden kann, haben Bürgermeister Christoph Becker, die zuständigen Ämter und Abteilungen der Stadtverwaltung und der Stadtbetrieb in den Tagen und Wochen nach der Unwetterkatstrophe in unterschiedlicher Zusammensetzung Ortsbegehungen durchgeführt. Mit dabei waren die Ortsvorsteher, Anwohnerinnen und Anwohner und teilweise auch externe Fachleute.  Als Beispiele für Maßnahmen, die im Zuge der Ortsbegehungen geprüft bzw. festgesetzt wurden, sind etwa verstärkte Kontrollen und die Erhöhung der Reinigungsintervalle von Bachdurchlässen zu nennen. Außerdem wird geprüft, ob der Bau zusätzlicher Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Ortschaften hilfreich sein könnte. Auch wird geprüft, ob die Umleitung bzw. Rückhaltung von Oberflächenwasser aus Außengebieten (also Wasser, das von außerhalb in die Ortschaften fließt, wie etwa in der Ulrichstraße geschehen) geeignet sind, die Gefahr von Hochwasser zu reduzieren oder gar Schäden zu vermeiden. Und infolge einer Begehung des Rheinuferweges wird geprüft, ob vor dem Hintergrund der ohnehin vorgesehenen Sanierung der Rheinböschung wild abfließendes Oberflächenwasser zurückgehalten oder kanalisiert werden kann.

In der Folge des 14. Juli hat die Stadt Bornheim eine Taskforce „Hochwasservorsorge“ gebildet. Dabei handelt es sich um eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe, die am 12. August 2021 erstmals getagt hat. Darüber hinaus wurde ein Arbeitskreis mit Vertretern aus Politik und Verwaltung gebildet, der sich ebenfalls mit dem Thema „Hochwasservorsorge“ beschäftigt hat.  Dessen Aufgaben sind mittlerweile auf den Ausschuss für Umwelt, Klima, Landwirtschaft, Wald und Natur übergegangen. Schließlich haben die Stadtverwaltung und der Stadtbetrieb Bornheim eine gemeinsame Arbeitsgruppe „Hochwasser-/Starkregenvorsorge“ gebildet. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich systematisch mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen des Hochwasserschutzes und der –vorsorge.

Die vorhandene Infrastruktur, die dem Schutz unserer Ortschaften vor Überflutungen dient, hat offensichtlich für ein Ereignis dieser Größenordnung an einigen Stellen nicht ausgereicht. Die Stadtverwaltung Bornheim hat zunächst alle schweren Schäden im Stadtgebiet erfasst und versucht anhand dessen, möglichst präzise den genauen Verlauf der Unwetterkatastrophe bzw. des Wassers zu analysieren. In der Folge geht es darum, Möglichkeiten zur Verbesserung der Schutzwirkung auszuloten und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Das gilt zum Beispiel auch für die kritische Betrachtung von Bauplanungen in unserem Stadtgebiet. Die Frage, welche Auswirkungen eine weitere Bebauung und Versiegelung von Fläche haben, muss vor dem Hintergrund des jüngsten Ereignisses noch stärker in den Blick genommen werden. Dies gilt sowohl zum Schutz der bereits dort lebenden Menschen, als auch zum Schutz derer, die dort zukünftig wohnen möchten.

Neu zu beplanende Flächen werden angesichts der durch den Klimawandel zunehmend verursachten extremen Wetterereignisse noch aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten sein. Natürlich tragen immer auch Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer eine gewisse Eigenverantwortung, indem sie eigeninitiativ Maßnahmen zum Hochwasser- und Überflutungsschutz ergreifen. Dennoch: Selbst mit dem Instrumentarium der individuellen und öffentlichen Maßnahmen wird es nicht gelingen, alle extremen Wetterereignisse vollkommen in den Griff zu bekommen. Aber es gilt, gemeinsam alles zu tun, um mögliche Auswirkungen und Schäden so weit wie möglich zu verringern.

Im Sinne des Hochwasserschutzes ist die Stadt nicht zuletzt auch auf interkommunaler Ebene vernetzt. Dies geschieht in erster Linie auf der Ebene der Wasserverbände. Der Dickopsbachverband verbindet etwa die Städte Wesseling, Brühl und Bornheim. Und was den Bornheimer Bach betrifft, arbeiten Bornheim und Alfter im Wasserverband südliches Vorgebirge zusammen. Außerdem haben sich im Abwassernetz Rheinland Abwasserwerke zwischen Bonn und Solingen zusammengetan, um sich über Vorsorgemaßnahmen im Entwässerungsnetz auszutauschen.


Das Wasser hat an der Kreuzung Rüttersweg/Broichgasse ein Loch in den Asphalt gerissen

Die Aeltersgasse in Bornheim war nach Unterspülung unbefahrbar

Überflutung in der Mühlenstraße in Bornheim

Dominikanerstraße in Walberberg nachdem der erste Schlamm geräumt wurde

Helfer befüllen Sandsäcke beim Stadtbetrieb Bornheim

Benefizkonzert in Kardorf

Die Verlängerung der Keimerstraße wurde völlig zerstört

Massive Unterspülung am Dobschleiderhof

Überflutung in der Bornheimer Eichendorffstraße

Partnerstadt Mittweida brachte 51.000 leere Sandsäcke nach Bornheim

Widdigs Ortsvorsteher Christoph Kanymit Monteuren aus Ungarn, die nach ihrer Schicht geholfen haben, am Schwadorfer Kreuz Vorgärten von Schlamm zu befreien

Benefizkonzert in Kardorf