Warum werden manchmal keine heimischen Bäume gepflanzt?
Bei Baumpflanzungen wird der Grundsatz verfolgt: so viele einheimische Arten wie möglich, so viele Klimabäume wie nötig.
Bepflanzung in stark versiegelten Bereichen:
In stark versiegelten Bereichen, beispielsweise im Straßenbegleitgrün, werden meist sogenannte Klimabäume eingesetzt. Der Einsatz von Klimabäumen erfolgt dabei gezielt nur dort, wo aufgrund der extremen Standortbedingungen keine andere Pflanzung sinnvoll ist.
Hintergrund ist, dass diese Standorte weit von natürlichen Boden- und Wasserverhältnissen entfernt sind und häufig Hitzeinseln bilden. Gerade an Straßenstandorten mit stark versiegeltem Umfeld können Temperaturen von bis zu über 40 °C und mehr auftreten. Unter diesen Bedingungen haben viele klassische einheimische Baumarten kaum eine Chance, langfristig vital zu bleiben. Zudem ist zu berücksichtigen, dass viele früher häufig verwendete Baumarten – sowohl einheimische als auch nicht einheimische – zunehmend unter spezifischen Problemen leiden. Dazu zählen unter anderem Ahorn, Buche, Kastanie, Esche, Platane, Rotdorn, Ulme, Hainbuche und Kiefer, deren Einsatz heute teilweise eingeschränkt ist.
Bei Klimabäumen handelt es sich um potentiell klimaresiliente Baumarten. Sie stammen häufig aus Regionen wie dem Kaukasus oder Nordamerika und sind besser an höhere Temperaturen sowie längere Trockenperioden angepasst. Gleichzeitig sind sie frosthart und damit für den Einsatz in unseren Breiten geeignet. Darüber hinaus zeigen aktuelle Untersuchungen, unter anderem der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim, dass einige Klimabaumarten wie Baumhasel, Magnolie, Blauglockenbaum, Eisenholzbaum, Elsbeere und Esskastanie auch ein attraktives Nahrungsangebot für Insekten bieten und somit zur Förderung der Biodiversität beitragen können. Ergänzend werden – wo es die Standortbedingungen zulassen – auch einheimische Baumarten mit höherer Klimatoleranz wie Traubeneiche, Elsbeere, Feldahorn oder Hainbuche eingesetzt.
Bepflanzung in Randbereichen und weniger stark versiegelten Flächen:
In Bereichen mit günstigeren Standortbedingungen, wie an Ortsrändern, in größeren Grünanlagen oder im Übergang zur freien Landschaft, an Standorten wo gewachsener Boden vorzufinden ist, werden bevorzugt einheimische Baumarten verwendet. Hintergrund ist, dass heimische Gehölze besser in die bestehenden Ökosysteme eingebunden sind, Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Tierarten bieten und somit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.
Warum es nicht sinnvoll ist nur heimische Klimabäume einzusetzen:
Die Anzahl heimischer Baumarten, die nach aktuellem Kenntnisstand dauerhaft für stark versiegelte und hitzebelastete Straßenstandorte geeignet erscheinen, ist vergleichsweise begrenzt. Für eine klimaresiliente Stadtbegrünung ist jedoch eine möglichst hohe Artenvielfalt wichtig, um Risiken durch Krankheiten, Schädlinge oder klimatische Extremereignisse zu streuen und großflächige Ausfälle einzelner Arten zu vermeiden.
Auch verschiedene heimische Baumarten mit vergleichsweise hoher Klimatoleranz – darunter beispielsweise Stiel- und Traubeneichen, Linden, Hainbuchen oder Feldulmen – zeigen bereits heute teilweise standortabhängige Probleme durch Trockenstress, Krankheiten oder Schädlingsbefall. Hinzu kommt, dass innerstädtische Straßenstandorte aufgrund von Hitze, Bodenverdichtung und eingeschränktem Wurzelraum deutlich extremere Bedingungen aufweisen als natürliche Standorte.
Einige heimische klimaangepasste Baumarten wie Elsbeere oder Mehlbeere wurden im Stadtgebiet Bornheim bislang nur vereinzelt verwendet. Daher liegen bisher nur begrenzte lokale Erfahrungswerte hinsichtlich ihrer langfristigen Entwicklung unter den spezifischen Standortbedingungen im Stadtgebiet vor. Zudem gehören diese Arten zur Gattung Sorbus, bei der einzelne Vertreter in der Vergangenheit teilweise erhöhte Anfälligkeiten gezeigt haben.