Die Rheinhalle in Hersel war einmal mehr das Epizentrum rheinischer Fröhlichkeit. Grund war der 58. Tollitätentreff - die größte Sitzung der Stadt, wie Sitzungspräsident Andreas Wehn feststellte.
Tollitätentreff bringt Herseler Rheinhalle zum Schunkeln
KarnevalTermine & AktionenAlleHerselStadtgeschehen04. Februar 2026
Auch in diesem Jahr begrüßte Bürgermeister Christian Mandt rund 500 Jecken im Saal. Nachdem die Sitzungskapelle „Los Ultimos“ die bunt kostümierte Menge warmgespielt hatte, holte der Bürgermeister die Tollitäten der vergangenen Session auf die Bühne, um sich bei ihnen für eine tolle Zeit zu bedanken und ihnen den Orden der Stadt Bornheim zu überreichen, der in diesem Jahr unter dem Motto stand: „Bunt vereint im jeck Jewand – stonn mer hier all Hand in Hand“
Gleich nach dem Spielmannszug des Tambourcorps war die Bühne, wie es sich für einen Tollitätentreff gehört, wieder voll von Prinzessinnen, Prinzen, Bauern und Jungfrauen. Denn nun wurden die aktuellen Würdenträger nach oben gebeten, um sie vorzustellen und anschließend auf ihren Platz im Elferrat zu geleiten. Übrigens sind es in diesem Jahr tatsächlich elf Tollitäten: Lars I. und Sonja I. (Reuter) aus Merten, das Kardorfer Dreigestirn Prinz Henning I. (Bargmann), Bauer Tim (Reischke) und Jungfrau Olivia (Thomas Schmitz), Prinzessin Nicole I. (Pällmann) aus Roisdorf, das Herseler Dreigestirn Prinz Ütt I. (Udo Pieper), Bauer Günni (Günther Dumjahn) und Jungfrau Conny (Cornelius Schirm) sowie das Prinzenpaar der Bonner Werkstätten Prinz Michael I. (Schäfer) und Prinzessin Ilka I. (Funke).
Ersatzgeschwächt war das Tanzcorps der Prinzengarde 1935 Frechen nach Bornheim gekommen. Doch die Tänzerinnen und Tänzer des ersten Traditionscorps des Rhein-Erft-Kreises gaben alles und legten eine turbulente Show aufs Parkett.
Literatin Nicole Krumbach hatte noch am Tag des Tollitätentreffs alle Hände voll zu tun und ganze Arbeit geleistet. Denn der erste Redner des Abends, dä Tuppes vum Land, hatte krankheitsbedingt kurzfristig absagen müssen. Mit „Handwerker Peters (HP)“ aus Nickenich in der Eifel war ein Könner seines Fachs eingesprungen. Noch nicht ganz so bekannt, plauderte sich der Mann im Blaumann mit seiner natürlichen, bodenständigen und witzigen Art im Handumdrehen in die Herzen des Publikums, das lautstark die erste Zugabe des Abends forderte. HP gab die Zuneigung, die ihm zuteil wurde, zurück: Er erklärte, dass er sehr stolz sei, beim Tolli aufzutreten, denn nach Bornheim werde man nicht gebucht, sondern berufen.
Die erste Band des Abends war „Los Rockos“. Die Formation, die zu großen Teilen in Bornheim zuhause ist, zeigte bei ihrem Heimspiel, dass sie nicht nur Partys, sondern auch Karneval kann. Mit einem rund 20-minütigen Medley, das die größten Karnevalshits der letzten 15 Jahre enthielt („Dat Hätz vun dr Welt“, „Die Hände zum Himmel“, „Echte Fründe“, „Ich han dä Millowitsch jesinn“, „Nie mehr Fastelovend“, „Prinzessin“, „Karnevalsmaus“ etc.) brachten sie die Halle so richtig in Wallung.
Mit einer atemberaubenden Einlage begeisterte anschließend das Tanzcorps Colonia Rut Wiess aus Köln. Ihr Auftritt war eine einzige Flugshow mit Sprüngen und Würfen, die teilweise nur Zentimeter unter der Hallendecke endeten – eine spektakuläre Show, die mit tosendem Jubel der Jecken gefeiert wurde.
Zum Großreinemachen kam anschließend Achnes Kasulke auf die Bühne. Deutschlands prominenteste Putzfrau legte allerdings Eimer und Wischmop kurz zur Seite, um mit frechem Mundwerk alles auf die Schippe zu nehmen, was ihr vor die Flinte kam. Allerdings nahm sie sich selbst auch nicht so ernst. Auf ihre Figur angesprochen, erklärte sie verzweifelt, dass das Fett ja leider an Stellen gelänge, an die Sport überhaupt nicht mehr rankäme. Und sie gab zu, dass ihr Mann nach dem letzten Sommerurlaub zu ihr gesagt habe: „Hätte ich gewusst, wie du im Bikini aussiehst, hätte ich nen Skiurlaub gebucht.“
Zu den Abräumern des Abends zählte auch die Band „Stadtrand“. Von "Verlieb' Dich nie (Thekenmädche)" über „An dich kütt keiner dran“ bis hin zu "Köln ist cool" und "Papajei" zündeten sie einen Ohrwurm nach dem anderen, sodass das Stimmungsbarometer im Saal wieder schweißtreibende Höhen erreichte.
Bernd Stelter feierte als Altmeister des gepflegten Humors im „coolsten Schuppen des Rheinlands“ ein gelungenes Heimspiel. Bei nur 350 Metern Anreise hätte der Herseler auch zu Fuß kommen können. Mit gewohnt spitzen Worten und musikalischen Parodien ließ er das vergangene Jahr Revue passieren. In „Bye bye amerikanischer Traum“ besang er den Zustand der USA unter Trump; außerdem feierte er die Kinder vom Dorf und machte unmissverständlich klar, was er von der „Generation Z“ hält („Wissen Sie, warum es Generation Z heißt? Weil danach nichts mehr kommt!“).
Den Schlusspunkt unter einen stimmungsvollen Abend setzte die Band „Eldorado“. Mit Titeln wie „En kölsches Leed“, „Orjenal“ oder „Et Hätz schleiht em Veedel“ haben die fünf Jungs in Lederjacken noch mal ein Hit-Feuerwerk abgebrannt.
Allen, denen es gefallen hat, und auch denjenigen, die diesmal nicht dabei sein konnten, wird empfohlen, schon jetzt den 26. Januar 2027 rot im Kalender anzustreichen. An diesem Abend wird nämlich der 59. Tollitätentreff gefeiert.













