Nach der Unwetterkatastrophe vom 14. und 14. Juli 2021 zieht die Stadt Bornheim Bilanz.
Fünf Jahre nach der Flut
UnwetterAlleStadtgeschehen10. Juli 2026
Umfangreiche Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Hochwasser
Nach der verheerenden Unwetterkatastrophe vom 14. und 15. Juli 2021, die auch im Stadtgebiet Bornheim schwere Schäden an Infrastruktur, Privathaushalten und Gewerbebetrieben in Höhe von rund 1,8 Millionen Euro verursacht hat, hat die Stadt Bornheim ein umfassendes Maßnahmenprogramm zur Starkregen- und Hochwasservorsorge auf den Weg gebracht. Fünf Jahre danach zieht Bornheim Bilanz.
Straßenschäden durch Unterspülungen wurden sukzessive behoben. Beschädigte Infrastruktur – etwa an der Hennesenbergstraße, der Spielplatzanlage Josephine-von-Boeselager-Straße und mehreren Wirtschaftswegen – wurde wiederhergestellt.
Das Abwasserwerk hat die hydraulische Überprüfung und Sanierung von Bachverrohrungen im Zuge der hydraulischen Kanalerneuerungen fortgesetzt. Die Bachverrohrungen liegen in der Verantwortung der Stadt Bornheim und werden von ihr finanziert. Für das neuralgische Schwadorfer Kreuz in Walberberg wurde auf Basis einer detaillierten Überflutungsbetrachtung der Neubau eines Trennsystems geplant. Die Umsetzung hängt von den Kapazitäten der Ingenieurbüros und der Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde ab. Darüber hinaus wird in Abstimmung mit dem Wasserverband Dickopsbach geprüft, ob und unter welchen Bedingungen im Bereich oberhalb der Domäne Walberberg ein Hochwasserrückhaltebecken errichtet werden kann. Erste Ergebnisse liegen vor, eine Machbarkeitsstudie befindet sich in Erarbeitung.
Der Wasserverband Dickopsbach hat im Januar 2026 die Genehmigung für die 50-prozentige Vergrößerung des Hochwasserrückhaltebeckens HRB 4 am Mertener Mühlenbach oberhalb der Offenbachstraße erhalten; die Förderung ist beantragt. Die Baumaßnahme kann nach Eingang des Förderbescheids beauftragt werden. Die technische Überprüfung aller Hochwasserrückhaltebecken des Verbandes ergab keinen weiteren akuten Handlungsbedarf. Weitere Gewässer wurden und werden renaturiert – darunter der Mertener Mühlenbach (2022) und der Breitbach (voraussichtlich Ende 2026) – um Überschwemmungsflächen auszuweiten und den Wasserabfluss zu verlangsamen.
Der Wasserverband Südliches Vorgebirge hat die Schäden an seinen Gewässern weitgehend behoben. Am Breniger Mühlenbach, wo der größte Handlungsbedarf bestand, wurden Gehölz- und Geröll entfernt, eine Böschung mit ingenieurbiologischen Methoden stabilisiert, ein Kolk in den Gewässerverlauf eingepasst, Hindernisse entfernt, Sohlabstürze ausgeglichen und Schwellen zur Sohlanhebung eingebracht. Eine beidseitige Böschungsstabilisierung unterhalb der Klippe steht wegen der Auslastung der entsprechenden Ingenieurbüros noch aus und soll zusammen mit der Brückensanierung durch die Stadt umgesetzt werden.
An der Ulrichstraße wurde in Zusammenarbeit mit den Anliegern, dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW dem Ingenieurbüro Fischer sowie der Stadt Bornheim und dem Stadtbetrieb Bornheim an einer Lösung für einen Schutzwall im rückwärtigen Grundstücksbereich gearbeitet, um künftige Überflutungen zu verhindern. Der Wall ist inzwischen fertiggestellt.
Die Hochwasserrückhaltebecken Umbachweg und Eisenbahngraben wurden begutachtet und für sicher befunden. Das HRB Umbachweg ist in der Lage, den Abfluss eines 100-jährlichen Regenereignisses abzuführen. Empfohlene Maßnahmen wie die vorzeitige Entschlammung, die Entfernung von Geröll aus dem Zulaufrohr und die Beseitigung von Verlandungen wurden umgesetzt. Das HRB Eisenbahngraben funktioniert laut Gutachten zufriedenstellend.
In den Bornheimer Ortschaften kam es zu Überschwemmungen in Teilgebieten. Vor allem flossen Wassermassen aus unbefestigten Außengebieten zu. Künftig sollen zusätzliche Hochwasserrückhaltebecken oberhalb der Ortslagen solche Überflutungen verringern oder verhindern. Eine Analyse des Retentionsraums im Einzugsgebiet des Alfterer-Bornheimer Bachs ermittelte mithilfe eines 2D-Oberflächenabflussmodells mögliche Standorte für Rückhaltebecken und bewertete deren Wirksamkeit. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Überschwemmungslage zu entschärfen. Der erste Schwerpunkt liegt auf der Prüfung und Planung eines Rückhaltebeckens oberhalb von Brenig am Mühlenbach. Dieses soll mit dem Umbau eines ehemaligen Beregnungsbeckens kombiniert werden, das die Landwirtschaft nicht mehr nutzt.
Beratung und Objektschutz
Die Stadtbetrieb Bornheim bietet Bürgerinnen und Bürgern eine kostenlose Starkregenberatung an. Eine Starkregenberaterin steht für Hausbesuche und telefonische Auskünfte zur Verfügung. Termine können donnerstags von 8:30 bis 12:30 Uhr unter Tel. 02227 9320-78 oder per E-Mail an starkregenberatung@sbbonline.de vereinbart werden. Beim Stadtbetrieb Bornheim befasst man sich zudem dauerhaft mit der Starkregenthematik.
Weiterführende Informationen sowie der Wasser-Risiko-Check – ein Online-Tool zur Gefährdungseinschätzung des eigenen Grundstücks – sind unter https://www.stadtbetrieb-bornheim.de/leistungen/starkregenvorsorge verfügbar. Das Abwassernetzwerk Rheinland stellt unter www.abwassernetzwerk-rheinland.nrw einen Leitfaden zur Starkregenvorsorge für Hauseigentümer sowie eine Selbstbeurteilungs-Checkliste bereit. Die Verbraucherzentrale NRW bietet regelmäßige Seminare zum Thema unter www.abwasser-beratung.nrw/veranstaltungen an.
Öffentlichkeitsarbeit
Die Stadt informiert die Bevölkerung auf mehreren Wegen: Eine umfassende Bürgerinformation wurde im Amtsblatt veröffentlicht, ein Flyer zum Schutz vor Starkregen mit dem Gebührenbescheid versandt und die Internetseite www.bornheim.de/hochwasserschutz eingerichtet. Anliegerversammlungen in betroffenen Stadtteilen ergänzten die Kommunikation. Das Infomobil des HochwasserKompetenzCentrums (HKC) wurde bereits mehrfach eingesetzt, um die Bevölkerung weiter zu sensibilisieren. Der nächste Termin ist für den 21. August 2026 beim Bauhaus in der Alexander-Bell-Straße 6 in Bornheim-Roisdorf geplant. Am 6. September 2026 findet im Alexander von Humboldt Gymnasium, Adenauerallee 50, der Aktionstag „Starkregen- und Hochwasserschutz“ als interkommunale Veranstaltung gemeinsam mit den linksrheinischen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises statt.
Eigenvorsorge bleibt unerlässlich
Die Stadt Bornheim weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst umfangreiche kommunale Maßnahmen keinen vollständigen Schutz vor extremen Starkregenereignissen bieten können. Umso wichtiger ist es, dass auch Privatpersonen und Unternehmen eigene Vorsorge treffen. Die kostenlose Starkregenberatung des Stadtbetriebs Bornheim steht hierfür als erste Anlaufstelle zur Verfügung.
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