Die Stadt Bornheim auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045

Im Pariser Klimaabkommen von 2015 hat sich die Weltgemeinschaft das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad - maximal 2 Grad - zu begrenzen ("1,5-Grad-Ziel"). Dieses Abkommen wurde von insgesamt 195 Staaten unterzeichnet. Doch selbst wenn dies gelingt, kann es bereits zu gravierenden Folgen für das Klima und damit für Mensch und Natur kommen. So ist mit noch häufigeren und stärkeren Extremwetterereignissen wie Hitze, Bränden und Überschwemmungen zu rechnen. Schon bei einer Erwärmung um 1,5 Grad spricht der Sonderbericht des Weltklimarates (IPCC) von einer Verdoppelung des Hochwasserrisikos. Ein Anstieg  um 2 Grad hätte noch deutlich drastischere Folgen für Artensterben, Wetterextreme, die menschliche Gesundheit und den Anstieg des Meeresspiegels. Soll das 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden, müssen die Treibhausgasemissionen bis 2050 auf nahezu null reduziert werden.

Bei einer Klimaneutralität wird durch die menschliche Aktivität in Summe das Klima nicht beeinflusst. Daher ist das Erreichen eines Gleichgewichts zwischen der Emission von Kohlenstoff und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken notwendig. Netto dürfen also keine klimaschädlichen Emissionen mehr in die Atmosphäre gelangen ("Netto-Null-Emissionen"). 

Vom Ratsbeschluss zum Klimaneutralitätskonzept

Vom Ratsbeschluss zum Klimaneutralitätskonzept

Der Rat der Stadt Bornheim hat in seiner Sitzung vom 22.Juni 2021 beschlossen, dass die Stadt in ihren Zuständigkeitsbereichen bis 2035 die klimarelevanten CO2-Emissionen um mindestens 80% senken soll. Das Ziel ist es, bis spätestens 2045 klimaneutral zu werden. 

In derselben Sitzung wurde die Verwaltung damit beauftragt, einen Maßnahmenkatalog mit einer zeitlichen Abfolge von Meilensteinen auf dem Weg zu diesem Ziel vorzustellen. Die Meilensteine sind Bestandteil eines zu erarbeitenden Konzepts, aus dem unter anderem hervorgehen soll, wie das Ziel der Klimaneutralität erreicht werden soll. Die Verwaltung hat sich nach der Beschlussfassung auf den Weg gemacht, den Auftrag zur Aufstellung des Konzepts an ein externes Beratungsbüro zu vergeben. Nach einem umfangreichen Vergabeverfahren, an dem auch die Politik umfassend beteiligt wurde, konnte das Institut für angewandtes Stoffstrommanagement (IfaS) im März 2022 mit der Konzepterstellung beauftragt werden. Die verwaltungsinterne Auftaktveranstaltung fand im Mai 2022 statt. 

Fängt Bornheim mit dem geplanten Klimaneutralitätskonzept bei null an?

Fängt Bornheim mit dem geplanten Klimaneutralitätskonzept bei null an?

Nein, denn die Stadt Bornheim engagiert sich schon seit vielen Jahren sowohl auf kommunaler Ebene als auch interkommunal gemeinsam mit den Städten und Gemeinden Alfter, Meckenheim, Rheinbach, Swisttal und Wachtberg für mehr Energieeffizienz, für das Energiesparen, für die Nutzung erneuerbarer Energien und für mehr Klimaschutz. Die sechs linksrheinischen Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises haben sich bereits 2007 zur Klimaregion Rhein Voreifel zusammengeschlossen. 

Folgende Meilensteine wurden in der Vergangenheit im städtischen und interkommunalen Klimaschutz erreicht:

  • Bereits im Jahr 2009 hat die Stadt Bornheim mit dem Aktionsplan Klimaschutz ein eigenes integriertes Klimaschutzkonzept vorlegt.
  • Im Jahr 2012 hat die Stadt zudem gemeinsam mit den anderen Städten und Gemeinden der Klimaregion Rhein-Voreifel ein gemeinsames, integriertes Klimaschutzkonzept aufgestellt.
  • Zur Umsetzung dieses Konzepts und zur Steuerung des interkommunalen Klimaschutzes wurde 2015 eine geförderte und zunächst auf drei Jahre befristete Stelle für interkommunales Klimaschutzmanagement in der Region Rhein-Voreifel eingerichtet. Nach einer weiteren Förderphase wird die Stelle seit April 2020 unbefristet und von den sechs Städten und Gemeinden vollständig eigenfinanziert fortgeführt.
  • Unter dem Motto „Besänftigen Sie das Energiemonster“ beteiligte sich die Stadt Bornheim von 2014 bis 2016 mit den Städten Lohmar und Ruppichteroth am Pilotprojekt „Energieagentur Rhein-Sieg“ des Rhein-Sieg-Kreises. In diesem Rahmen bot sie einmal monatlich eine Energieberatung im Rathaus an.
  • In den Jahren 2017 bis 2022 organisierte die Stadt Bornheim gemeinsam mit den übrigen Kommunen der Klimaregion Rhein-Voreifel und mit der Verbraucherzentrale eine interkommunale Energieberatung in Eigenregie. Das Angebot hat sich in dieser Zeit sowohl bewährt als auch etabliert. Die Beratung, die einmal monatlich und seit 2019 sogar kostenlos in den jeweiligen Rathäusern und darüber hinaus telefonisch, als Video-Chat oder in Form einer kostenpflichtigen Beratung zu Hause durchgeführt wird, wird kontinuierlich und sehr gut von den Bürgerinnen und Bürgern frequentiert.
  • Seit 2022 ist die Stadt Bornheim Mitglied in der 2018 als Verein gegründeten Energieagentur Rhein-Sieg und kann seitdem von der Nutzung zahlreicher Angebote in den Bereichen Energie- und Klimaschutz profitieren. Neben der interkommunalen Energieberatung, die weiterhin angeboten und nun durch die Energieagentur organisiert wird, wodurch bei der Stadt wiederum personelle Kapazitäten für weitere Klimaschutzaktivitäten frei werden, ist dies unter anderem die vorgesehene Einführung von Energiesparmodellen an Schulen der Stadt Bornheim.
  • Auf der 2016 gestarteten interkommunalen Homepage www.klima-rv.de finden die Bürgerinnen und Bürger hilfreiche Informationen rund um das Thema Klimaschutz und Energieeffizienz. Die Webseite wird in diesem Jahr hinsichtlich der Konzeption, des Designs und des Inhalts eine umfassende Überarbeitung und Aktualisierung erfahren.
  • Die Broschüre „Erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Klimaschutz“ wurde 2019 neu aufgelegt und wird seitdem rege nachgefragt. Die Broschüre ist in den Rathäusern der Region oder online über www.klima-rv.de/nuetzliches/publikationen/ erhältlich.
  • Ein Erfolg, der im interkommunalen Verbund erreicht werden konnte, ist die Einführung des JobTickets bisher in Bornheim, Meckenheim, Swisttal und Wachtberg. Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen mit dem Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Ergebnis war, dass den Kommunen der Klimaregion Sonderkonditionen zur Einführung des JobTickets für die Verwaltungen angeboten wurden und dadurch ein weiterer Schritt in Richtung CO2-arme Mobilität im dienstlichen und im privaten Umfeld der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getan werden konnte.
  • 2019 startete das Mobilitätsangebot „RVK e-Bike“ das als ein Gewinner im Wettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ gefördert wurde. Bei diesem mittlerweile erfolgreich etablierten interkommunalen E-Bike-Verleihsystem mit überregionaler Strahlkraft handelt es sich gleichzeitig um eines der ersten Verleihsysteme im regionalen Verbund in Deutschland und darüber hinaus um eines der ersten Verleihsysteme, das nur mit E-Bikes betrieben wird. Diese stehen den Bürgerinnen und Bürger rund um die Uhr zur Ausleihe zur Verfügung. Kooperationspartner in diesem Gemeinschaftsprojekt sind neben den sechs Städten und Gemeinden der Klimaregion Rhein-Voreifel auch die Regionalverkehr Köln GmbH sowie die Gemeinde Weilerswist im Kreis Euskirchen. Inzwischen wurden nach diesem Vorbild mit dem „Das Bergische E-Bike“ im Rheinisch-Bergischen Kreis bei Köln (2020) sowie dem „Eifel e-Bike“ im Kreis Euskirchen (2021) analoge Verleihsysteme im Rheinland realisiert.

In Bornheim wurde 2019 die erste vollautomatisierte feste E-Bike-Verleih- und Ladestation am Roisdorfer Bahnhof eingerichtet. In den Folgejahren fanden Erweiterungen am Peter-Fryns-Platz sowie am Bahnhof Sechtem statt. Ergänzt wird das System durch virtuelle Stationen, an denen es keine Bedienterminals und keine Ladefunktion gibt, an denen die E-Bikes aber regulär abgestellt und entliehen werden können.

  • Bedeutsam für die Stadt insbesondere angesichts ihrer Haushaltslage ist außerdem die seit Jahren kontinuierlich betriebene Umsetzung diverser investiver Klimaschutzmaßnahmen an der kommunalen Infrastruktur möglichst verbunden mit der Akquise von passenden Fördermitteln. Beispiele hierfür sind etwa
    • die energetische Sanierung des Rathauses,
    • die Sanierung der Innenbeleuchtung in 10 Klassenräumen der Wendelinus-Schule,
    • die Sanierung der Innenbeleuchtung in der Aula der Europaschule,
    • die Sanierung der Hallenbeleuchtung in der Doppelturnhalle in der Wallrafstraße,
    • die Sanierung der Lichtzeichenanlage Adenauerallee/Bonner Straße
    • die Umrüstung der Straßenbeleuchtung im Stadtgebiet auf moderne LED-Technik.
Beteiligungsworkshop am 22. Mai 2023

Beteiligungsworkshop am 22. Mai 2023

Die Stadt Bornheim geht entschlossen den Weg in eine klimaneutrale Zukunft und setzt dabei auf die aktive Unterstützung der lokalen und regionalen Akteure aus Wirtschaft, Politik, Vereinen, Ehrenamt und Bürgerschaft.

Der notwendige Transformationsprozess hin zu einer klimaneutralen Stadt 2045 basiert auf einer zu entwickelnden „Roadmap“. Diese „Roadmap Klimaneutralität“ wird ebenso eine Evaluation der bereits umgesetzten Aktivitäten, Projekte und Maßnahmen enthalten wie einen Fahrplan mit relevanten Handlungsfeldern aus dem Themenbereich Klimaschutz aufzeigen. Eine wichtige Grundlage bildet die Energie- und Treibhausgas-Bilanz aus dem Jahr 2019.

Um gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eine zielführende Umsetzungsstrategie zu erarbeiten, hat die Stadt Bornheim am Montag, 22. Mai 2023, herzlich zu einem öffentlichen Beteiligungsworkshop in der Aula der Europaschule Bornheim, Goethestraße 1, eingeladen. Die Workshop-Ergebnisse werden in das Klimaneutralitätskonzept einfließen, das zurzeit für die Stadt erstellt wird.

Wichtige Bausteine auf dem Weg zur Klimaneutralität

Um das Ziel, bis 2045 eine bilanzielle Treibhausgasneutralität (Klimaneutralität) zu erreichen, sind umfassende Maßnahmen notwendig. Gleichzeitig müssen nachhaltige Entwicklungen vorangetrieben werden. Auf dem Weg zur Klimaneutralität aber sind drei Themen von besonderer Wichtigkeit: die kommunale Wärmeplanung, eine klimafreundliche Mobilität und der Ausbau erneuerbarer Energien. 

Kommunale Wärmeplanung

Die Herausforderungen bei Energieversorgung und Klimaschutz werden immer komplexer. Um sie aktiv anzugehen, hat die Stadt Bornheim den Prozess der kommunalen Wärmeplanung initiiert. Die Wärmeplanung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität, denn die Wärmeerzeugung ist für rund 40 Prozent der Treibhausgasemmissionen verantwortlich. Vor allem aber ist sie entscheidend, um eine nachhaltige Energieversorgung auf lokaler Ebene zu gewährleisten. Durch die Analyse und Optimierung von Wärmequellen kann die Stadt ihre Umweltauswirkungen reduzieren und den Weg für effizientere, ressourcenschonende Heizsysteme ebnen. Bei der Erstellung der Wärmeplanung wird die Stadt  vom „Team Wärmewende“ des fachkundigen Dienstleisters e-regio GmbH & Co. KG aus Euskirchen unterstützt.

Klimafreundliche Mobilität

In Deutschland macht der Anteil des Verkehrs an den Treibhausgasemissionen etwa 20 Prozent aus, EU-weit sind es gar rund 25 Prozent. Das zeigt, dass der Verkehr ein großer Faktor ist, wenn es darum geht, das Ziel Klimaneutralität zu erreichen. Die Dekarbonisierung des Verkehrs, also die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen durch den Einsatz kohlenstoffarmer Energiequellen oder gar klimaneutraler Energie (Elektromobilität), ist nur ein Aspekt einer notwendigen Mobilitätswende. Der Ausbau des ÖPNV sowie des Fuß- und Radverkehrs sind weitere Baustene. Der Rat der Stadt Bornheim hat deshalb 2022  die Erstellung eines Mobilitätskonzeptes beschlossen. Ziel ist es, eine Verkehrswende in Bornheim zu organisieren, die eine klimafreundlichere Mobilität für alle Bürgerinnen und Bürger ermöglicht.

Erneuerbare Energien

Die Umstellung auf Erneuerbare Energieträger spielt eine sehr wichtige Rolle, um Klimaneutralität zu erreichen. Denn nur mit dem Umstellen der Energieversorgung von Öl, Kohle und Gas auf Erneuerbare Energieträger wie Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Erdwärme lassen sich die Pariser Klimaschutzziele einhalten.
Für Bornheim hat vor allem die Windenergie ein großes Potential. Nach einem mehrjährigen Prozess ist hierzu bereits der Teilflächennutzungsplan "Windenergie" neu aufgestellt worden. Ziel war, sogenannte Konzentrationszonen zu bilden, um einen Wildwuchs von Windenergieanlagen zu verhinden.

Verfahrensstand:  Windenergie in Bornheim 

Auch Solarenergie leistet einen bedeutenden Beitrag zur Energiewende und ist hinter der Windenergie die zweitwichtigste . Denn die Sonne als Energiequelle ist kostenlos und steht unbegrenzt zur Verfügung. Das Verfahren nutzt die Strahlung der Sonne, um Wärme oder Energie zu erzeugen. Dies geschieht durch sogenannte Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen. Die Bedeutung von Photovoltaik-Anlagen hat seit 2003 kontinuierlich zugenommen. Im Jahr 2023 wurden in Deutschland insgesamt 12 Prozent des erzeugten Stroms durch Photovoltaik produziert. Auch mit  Blick auf die lokale Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen gewinnen neben den städtischen Solaranlagen auch private und gewerbliche Solaranlagen immer mehr an Bedeutung.

Die Entwicklung von Photovoltaik-Anlagen in Bornheim

Die Entwicklung von Photovoltaik-Anlagen in Bornheim

Im vierten Quartal 2023 wurden in Bornheim insgesamt 254 Solaranlagen neu installiert. Dies entspricht einem Zuwachs von 14,0% im Vergleich zur letzten Datenerhebung im dritten Quartal 2023. Damit liegt das Wachstum in Bornheim über dem bundesweiten Durchschnitt von 7,0% aller deutschen Städte. Die Gesamtzahl der in Bornheim installierten Solaranlagen beträgt aktuell 2.213 Anlagen 31.03.2024) – das entspricht ungefähr einer Fläche von 18 Fußballfeldern. 

Die installierte Leistung in Bornheim liegt damit bei insgesamt 28 Megawatt. Gemessen an der Anzahl der PV-Anlagen pro 1.000 Einwohner schafft Bornheim es im Ranking der Städte auf Platz 927 – gemessen an der insgesamt installierten Leistung auf Rang 442. Das geht aus den offiziellen Photovoltaik-Ausbauzahlen der Bundesnetzagentur für das vierte Quartal 2023 hervor.